Riegerin (1939 m) – einsame und beschwerliche Bergtour

Die Riegerin – ein einsamer Bergstock im Norden des Hochschwabmassivs.


Gleich vorweg, für Gelegenheitswanderer stellt diese Tour auf Grund der Streckenführung aus meiner Sicht hohe Ansprüche an Körper und Geist.

Am Brunnsee im Salzatal beim Jagdschloss gestartet, geht es zuerst einmal ca. 5 km durch das Brunntal zum Talende. Dort macht die Forststraße eine markante Linkskehre und von nun an geht es auch steiler bergauf.

Linker Hand sieht man nun den „Großen und Kleinen Griesstein“. Nach einer Weile kommt man zu einer Rechtskehre –  es sieht fast aus wie ein verwachsener „Parkplatz“. Dort um die Kurve sind auch die roten Markierungen die nun zum Jägersteig links hinauf zeigen. Nun „schraubt“ man sich serpentinenartig steil durch das Waldstück in die Höhe zum Einstieg in die Rotmäuer. Diese Höhenmeter sind aber erst der Anfang… Hier querte ein Gamsrudel meinen Weg – ca. 20 Stück in voller Besetzung mit Gamsbock, Gamsgeiß und einigen Gamskitz.

Wie ich den Durchstieg durch die Rotmäuer gesehen habe (ich bin kein Kletterer) wurden Erinnerungen wach an den Traunstein. Überhaupt waren die Anstrengungen ähnlich… Hier habe ich das erste Mal überlegt ob ich mir das antun soll – es geht auf einem Felssteig, zwar durch ein verankertes Stahlseil gut gesichterten Weg welcher entlang der Mauer führt, hinauf. Aber Schwindelfreiheit und Trittsicherheit sind hier unbedingt erforderlich, fällt die Wand doch nahezu senkrecht ab und der Steig ist nicht breit.

Als ich dies geschafft hatte ging es weiter über einen Serpentinensteig durch den Wald zur Riegerinalm und der Jagdhütte. Der Durchstieg der Rotmäuer hat mich geistig einiges an Energie gekostet und eine kurze Erholung bei der Jagdhütte war fein. Nach kürzerem Weg über die Riegerinalm war die Riegerin direkt vor mir zu sehen. Hier meldete sich ein zweites Mal mein Kopf, musste man doch zuerst in eine Senke – den Bärengraben – absteigen bevor es wirklich direkt und steil hinauf ging. Der Kopf meinte, die Rotmäuer sind bezwungen jetzt gehts bis zum Gipfelkreuz, auch wenn es noch so weit aussieht. Also hinunter um dann wieder einen steilen Aufstieg auf einem schmalen, mit Steinmännchen und roten Punkten auf Felsen, gekennzeichneten Weg der nicht immer gut sichtbar ist, Höhenmeter gemacht.

Nach einiger Zeit des Aufstiegs durch den Wald, quert man das Gelände durch ein Latschenfeld und es geht über eine steile Wiese hinauf. Hier ist der Ausblick auf die umliegenden Berggipfel schon imposant. Noch nie habe ich mich aber auf einem Berg so einsam und klein gefühlt, wie in diesem Moment. Hat man diese Wiese geschafft ist zumindest der Gipfel wieder im Blickfeld, was meiner Motivation sehr zuträglich war 😉

Endlich, nach 4 Stunden (inklusive Rast- und Fotopausen) stehe ich beim Gipfelkreuz der Riegerin (1939 m) und bin glücklich (wenn ich nicht an die Rotmäuer denke). Der Panoramablick in alle Richtungen entschädigt für vieles. Am Gipfel mache ich es mir mit einem Rudel Gämsen gemütlich und stärke mich bei warmen Temperaturen mit einer guten Gipfeljause. Für diese Tour ist alles selber mitzuschleppen, da es keine Quelle und keine Einkehrmöglichkeit gibt. 4 Liter Flüssigkeit habe ich hin und zurück benötigt.

Den Abstieg habe ich über die selbe Route gemacht. Da kam mir flotten Schrittes in den Rotmäuern der Jäger mit seinem Hund entgegen, während ich mich mit Respekt vor dem harten und tiefen Sturzbereich dem Stahlseil entlang hinunter handelte. Als ich diese Passage geschafft hatte, war ich noch eine Spur glücklicher als am Gipfelkreuz. Dort darfst wirklich keinen Kreislaufkolaps oder Stolperer haben…

Trotz dem wunderschönen Gipfelbereich kommt die Riegerin in meine „Einmal und nie wieder“ Bergliste.

Gespeichterte Routen im Internet sprechen von ca. 18 km hin und retour. Meine Aufzeichnungen mit Runtastic ergaben 23 km. Alle Fotos vom 3. Juli 2014.

Pin It

10 Kommentare bei “Riegerin (1939 m) – einsame und beschwerliche Bergtour

  • 4. Juli 2014 um 21:19
    Permalink

    Fred, eine sehr gute Leistung,die erste Besteigung der Riegerin mutterseelen alleine.Die Rotmäuer,im Bärengraben die Markierung sehr schlecht und wenig,da braucht es Mut und Orientierungssinn für diese Tour.
    Fred, erst das zweite Mal ist die Riegerin(die Königin des Hochschwabs in manchen Tourenbüchern) eine Genußtour.

    Gottfried

  • 4. Juli 2014 um 23:29
    Permalink

    Lieber Gottfried,

    danke für die Anerkennung der Leistung die Riegerin zu besteigen. Mich hat es mehr als gefordert und somit komme ich nicht in Verlegenheit die Riegerin ein zweites Mal bezwingen zu wollen – auch wenn es am Gipfel wirklich schön war. Mit der Genußtour wird es wohl nichts werden 😉

    Herzliche Grüße
    Fred

  • 13. Juli 2014 um 18:57
    Permalink

    Hallo Fred!
    Zuerst einmal, Deine Fotos sind Spitze.
    Wir haben die Riegerin vom Brunntal vor langer Zeit bestiegen.
    Von Gschöder über die Viererscharte wollen wir es auch einmal versuchen.
    Wir sind uns voriges Jahr am Gipfel der Zeller Staritzen begegnet.
    Wurden die Aufnahmen von der Riegerintour mit der gleichen Kamera
    (Sony Nex 6 ) aufgenommen ? Was für ein Objektiv hast Du für die Aufnahmen verwendet?
    Wir schauen öfters Deine schönen Bilder an.

    liebe Grüße
    Willi

  • 13. Juli 2014 um 19:14
    Permalink

    Hallo Willi,

    kann mich gut erinnern wie wir am Zinken auf der Zeller Staritze über Kameras für den Berg gesprochen haben. Es freut mich, wenn Dir meine Fotos gefallen.

    Von Gschöder aus kann man anscheinend über den Antengraben auf die Riegerin. Nicht so ausgesetzt, dafür ist der Weg anscheinend schwerer zu finden. Aber anstrengend ist es auch von dort…

    Meine Bergkamera ist immer die Sony (jetzt habe ich den Nachfolger der NEX 6, die nennt sich Alpha 6000). Bildqualität trotz 24 MPix ähnlich mit etwas mehr Detailreichtum (vorher 16 Mpix) und der Fokus ist schneller, was aber für Landschaft nicht relevant ist. Objektiv hatte ich ein Tamron 18-200 drauf. Ist etwas kleiner als das Sony 18-200, aber auch etwas schlechter in der Bildqualität. Deckt aber sonst für Wandertouren alles ab.

    Vielleicht laufen wie uns ja wieder einmal auf einem Gipfel über den Weg 🙂

    Liebe Grüße
    Fred

  • 9. August 2014 um 22:56
    Permalink

    Hallo,
    die Riegerin hatte ich auch schon lange auf meiner Wunschliste. Hab die Tour auch in Summe als herausfordernd gefunden. Durch Deinen Bericht war ich wohl mental auf die Anstrengungen schon vorbereitet und dann nicht überrascht. Den Steig durch die Rotmäuer hinunter zu gehen hat mir auch Respekt abverlangt. Vielleicht wärs als Runde zurück nach Gschöder besser abzusteigen.
    viele Grüße aus dem Waldviertel,
    Andreas

  • 10. August 2014 um 20:54
    Permalink

    Hallo Andreas,

    richtige Bergfexen lieben die Riegerin trotz der Anstrengungen. Selber mache ich zwar Bergtouren, aber mir fehlen die PS wenn es bergauf geht 😉

    So sind meine Berichte auch zu lesen – eher für bessere Gelegenheitswanderer. Ausgesetzt mag ich ja gar nicht.

    Meine Gratulation und Kompliment für Deine Tour. Riegerin geschafft ist schon eine tolle Leistung. Da ich den Weg nach Gschöder nicht kannte blieb mir nichts anderes übrig als wieder zurück – aber zweimal das Gefühl etwas geschafft zu haben auf einem Berg (Gipfel und nach Rotmäuer Abstieg) ist auch was schönes 😉

    Herzliche Grüße aus Mariazell
    Fred

  • 10. August 2014 um 21:26
    Permalink

    lieber fred

    ich möchte in der nächsten zeit die riegerin besteigen
    kann (darf) man mit dem fahrrad ins brunntal fahren?

    mfg
    maplo

  • 10. August 2014 um 21:54
    Permalink

    Servus Martin,

    bin mir nicht mehr sicher, aber ich glaube gleich nach dem Jagdschloss steht ein Fahrverbotsschild. Habe nicht so drauf geschaut…

    Man würde sich einige Kilometer an Forststraßenwanderung ersparen…

    Schöne Grüße
    Fred

  • 14. August 2014 um 23:42
    Permalink

    Hallo Martin,
    hab auf meinen Fotos nachgesehen – Fahrverbotsschild mit Zusatz „Gilt auch für Radfahrer“ – also nix mit Radfahren 😉 Aber die Straße ist ned so lang, zum aufwärmen grad gut genug find ich – und zum einstimmen auf die Gegend!

    Hallo Fred,
    ja den Weg nach Gschöder hatte ich mir leider im Vorfeld auf der Karte nicht wirklich angeschaut, und ohne genaue Planung geh ich dann bei solchen Bergen nicht auf gut Glück woanders runter. Aber das werd ich mal nachholen. (nachdem ich von der Kräuterin zur Riegerin – und jetzt umgekehrt wieder rüberblicken konnte – gefällt mir die Gegend ja sehr)

  • 15. August 2014 um 14:35
    Permalink

    Danke Andreas für Deine Infos.

    Geht mir da wie Dir. Mir war der schwierige aber vom Aufstieg bekannte Weg lieber als auf gut Glück einen neuen ev. einfacheren Abstieg zu versuchen.

    Kräuterin/Hochstadl ist sehr schön – hat mir auch gefallen – nirgends ausgesetzt 😉

    LG
    Fred

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.