Mariazeller Bürgeralpe – Zukunftskonzept 2030

Präsentation eines Zukunftskonzepts für die Mariazeller Bürgeralpe am 19.9.2014 im Raiffeisensaal.

Gut 150 MariazellerlandlerInnen waren gekommen um sich das Zukunftskonzept der Mariazeller Bürgeralpe vom GF Johann Kleinhofer, dem Tourismusobmann Albert Pollerus sowie den beiden Bürgermeistern Josef Kuss aus Mariazell und Manfred Seebacher aus St. Sebastian anzuhören.

Die Mariazeller Bürgeralpe – Hausberg – (Über)Lebensberg der Region ist mit dem Betreiberbetrieb Mariazeller Schwebebahnen GmbH nach dem extrem warmen und schneearmen Winter 2013/14 in die Insolvenz geschlittert. Das Land Steiermark, welches mit 75% beteiligt ist, kann und darf anscheinend laut EU-Wettbewerbsrecht keine Firmenbeteiligungen finanziell unterstützen.

An diesem Abend wurden von GF Johann Kleinhofer folgende Vorschläge und Informationen präsentiert:

Beteiligungen an der Schwebebahnen GmbH:

  • Land Steiermark 75 %
  • Stadtgemeinde Mariazell 8%
  • Gemeinde St. Sebastian 6%
  • Tourismusverband Mariazellerland 5 %
  • Steiermärkische Sparkasse 5 %
  • Leitner Austria GmbH 1%

Es wurden 5,6 Mio an Forderungen angemeldet. Die Sanierungsplanquote liegt bei 20%.

Laut einer Studie hat die Mariazeller Bürgeralpe große regionalwirtschaftliche Bedeutung. Die Schwebebahnen GmbH stellt 33 Arbeitsplätze, im Winter ergeben sich 113 volladäquate Arbeitsplätze in der Region. Mitpartizipieren im Winter 2 Jugendgästehäuser, Bundesschullandheim, 15 Hotels, Privatvermieter, 2 Schischulen, 3 Hüttenwirte. Kaufkraft: 1,104.000.-. Der Fiskaleffekt der Stadtgemeinde Mariazell beträgt 255.000.- (Steuern und Abgaben) alles laut Basis Studie ICG.

Das Land Steiermark stellt Fortführungsprämissen die wie folgt lauten:

  • Beendigung der Beteiligungen des Landes
  • Übertragung der Gesellschaft in private Hände
  • Positive Planrechnungen für die nächsten 5 Jahre EBITDA und EBIT (Abschreibungen)
  • Mobilsierung der Region: namhafte finanzielle Beiträge aus der Region
  • Fortführungsgarantie
  • Erforderlich – Entschuldung der Firma und „Mitgift“ für die neue Gesellschaft

Zwei Fortführungsszenarien stehen im Raum:

Eine großzügige Lösung mit 2 Interessentengruppen, wobei beide Gruppen regional verwurzelt sind. Die Gespräche mit dem Land Steiermark laufen.
Lokale Lösung mit örtlichen Gesellschaftern – Investitionsvolumen 3,000.000.- für 10 Jahre.

Die lokale Lösung wurde an diesem Abend in den Vordergrund gestellt und genauer präsentiert.

Es soll eine Besitz- und eine Betriebsgesellschaft gegründet werden.

Mariazeller Schwebebahnen GmbH (Besitzgesellschaft) als Eigentümer der Anlage mit der Aufgabe Investitionen zu tätigen und zu finanzieren (3 Mio in den nächsten 10 Jahren) ohne Gewinnentnahmen (Jeder Euro fließt in Reinvestitionen) verpachtet an die Mariazeller Bürgeralpe Betriebs GmbH, welche den operativen Geschäftsbetrieb mit ihren Mitarbeiter führt und für die Anlagennutzung Pacht an die Mariazeller Schwebenbahnen GmbH zahlt.

Gesellschafter der Mariazeller Schwebebahnen GmbH sollen sein:

Ing. Erich Haring (Seilbahntechnik)
Mag. Robert Freidorfer (Steuerliche Beratung)
Albert Pollerus (Planungen, Investitionen)
Hans Peter Brandl (Vizepräsident Schiverband/Rennen)
Johann Kleinhofer (Touristische Entwicklung)

Robert Karner (Unternehmer Fa. Akra Dünger)
Ing. Peter Kaml (Unternehmer Kaml & Huber)
BM Hans Peter Zefferer (Unternehmer Hölblinger & Zefferer)
Weitere Unternehmer…

Mögliche Gesellschaftsstruktur der Betriebs GmbH:

Mariazeller Schwebebahnen GmbH
Stadtbetriebe Mariazell
Mariazeller Land GmbH
Weitere Regionale Partner

Als Sparmaßnahme werden weniger Betriebstage im Winter und im Sommer angedacht sowie eine Personalreduktion im Berggasthof um ca. 2,5 Mitarbeiter. Als weitere Hilfe ist ein Marketingzuschuss vom TVB Mariazellerland erwünscht. Kein operativer Abgang (EBIT).

Für schneearme Winter, so wie 2013/14, soll ein Notfonds der durch regionale Beiträge gespeist wird, eingerichtet werden. Dieser setzt sich aus dem Entgegenkommen der Grundeigentümer, Gemeinde, Mitarbeiter, Stadtbetriebe, Hotels, Banken und der Bewohner des Mariazellerlandes (Verein Gönner und Förderer) zusammen.

Der Verein Gönner und Förderer der Mariazeller Bürgeralpe ist bereits angemeldet.
Das Proponentenkomitee besteht aus Hans Peter Brandl und Sepp Wolfmayr (weitere folgen). Die Gründungsversammlung erfolgt nach den noch erforderlichen Beschlüssen.
Unterstützungerklärung Verein als PDF Ausdrucken/Ausfüllen/Abgeben.

Vereinszweck: Unterstützung der Bürgeralpe in Notsituationen. Mitglieder erhalten Benefits auf der Bürgeralpe.

Es stehen noch einige Termine an bevor es endgültig zu einer Entscheidung über die Fortführung der Mariazeller Schwebebahnen GmbH kommt. Ab 1.12.2014 soll aber alles geregelt sein.

Nach der Präsentation fand eine Diskussionsrunde statt bei der es Kritik und Zustimmung zu den Vorschlägen gab.

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4 Kommentare bei “Mariazeller Bürgeralpe – Zukunftskonzept 2030

  • 20. September 2014 um 22:46
    Permalink

    Wenn die oben erwähnte Lösung mit regionalen Partnern und eine Besitz und Betreiber Gesellschaft wirklich umgesetzt wird, sehe ich in absehbarer Zeit eine weitere Zahlungsunfähigkeit. 3 Mio. Investment in 10 Jahren ist für regionale Unternehmer viel Geld, aber um einen erfolgreichen und einmaligen Berg zu gestalten viel zuwenig Investment und nur ein Tropfen auf den heißen Stein.
    Jeder vernünftige Investor gibt Geld, in der Hoffnung, dass es mehr wird. Auch in Mariazell, so denke ich. Wenn als Ziel bereits festgelegt wird, dass niemals Geld ausgeschüttet werden soll, ist spätestens bei der nächsten Kapitalaufstockung ein Konflikt vorprogrammiert.

    Liebe Mariazellerland Regionalpolitiker! Ihr müsst aufhören zu glauben,dass ihr alles in der Region selbst lösen könnt. Das einzige funktionierende Konzept könnte sein, dass jemand die Bürgeralpe kauft und wirklich investiert. Mind. jährlich 1 Mio. die nächsten 10 Jahre und hofft bzw. glaubt, dass der Umsatz mit neuen Ideen auf das doppelte gesteigert wird. Ich hoffe, dass sich die Schröcksnadel Betreiber Gruppe oder ähnliche Profis für die Bürgeralpe begeistern. Auch glaube ich, dass der Masseverwalter sich durchsetzen wird und sich nicht für eine regionale Lösung entscheidet. Schon lange ist zu bemerken,dass im Mariazellerland ein Investitionsrückstand im Fremdenverkehr zu bemerken ist und Mariazell mit 85.000 Nächtigungen in Österreich keine bedeutende Rolle mehr spielt.

  • 21. September 2014 um 08:46
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    Ich würde mir wünschen, dass in unserer Region nicht so oft aufgrund von „Halbwahrheiten“ vieles schlecht geredet wird. Wenn man beim Infoabend war, oder den obigen Text genau liest, gibt es zwei Arbeitsrichtungen
    – zwei „finanzkräftige Interessentengruppen“ mit denen die Gespräche laufen
    – eine lokale Lösung die den Fortbetrieb sichert

    Wir brauchen nun nicht zu reden wie die Situation gekommen ist, und was anders gemacht werden hätte können – jetzt geht es NUR darum unseren Hausberg zu retten.

    Sie haben natürlich recht, dass es mit „viel Geld“ einfacher ist als mit „wenig Geld“, jedoch gibt es nun eine Lösung die den Fortbetrieb o sichert und somit ist der wichtigste Grundstein gelegt. Dass man sich danach nicht zurücklehnen darf und alles weiterlaufen lassen darf wie es war ist auch klar. Erste Ansätze wurden bereits am Freitag präsentiert.

    Ich finde die Idee des Vereins sehr gut – so können viele Freunde der Bürgeralpe einen kleinen Beitrag leisten, und für mich ganz wichtig – es wird eine Plattform geschaffen, wo neue Ideen eingebracht werden können! Meine Beitrittserklärung ist bereits ausgefüllt!

    PS: Gestern war ein tolles Festival mit vielen Jugendlichen auf der Bürgeralpe – diese und vieles andere wäre ohne unsere Bürgeralpe nicht möglich – ich bin mir sicher dass Fred in kürze die Stimmung perfekt hier im Blog wiedergeben wird!

  • 21. September 2014 um 19:15
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    @ Peter und Thomas.

    Danke für Eure Kommentare und Eure Meinungen.

    Selber habe ich den Artikel neutral gestaltet, aber ein paar Anmerkungen dazu erlaube ich mir nun hier nach diesen Einträgen.

    Es liegt mir als Mariazellerland Liebhaber sehr fern das Mariazellerland schlecht zu reden, aber nicht alles was entschieden wird scheint mir auch die optimale Lösung zu sein. Oft sind Emotionen dahinter, da wir als Bewohner natürlich unser Mariazellerland lieben und schätzen. Rein von aussen betrachtet werden die präsentierten Lösungen oft ganz anders gesehen.

    Peter muss ich recht geben, wenn man die 3 Mio auf die 10 Jahre aufrechnet (natürlich schwer verdient, aber schnell ausgegeben in dieser Betriebsgröße) und dies alles sein soll was passiert, ist es nur ein Hinauszögern bis dann soviel investiert werden muss, bis es nicht mehr geht (Lifte werden alt, Beschneiungsanlage ist veraltet, Pistengeräte usw.) Sozusagen der Versuch den Winterbetrieb aufrechtzuerhalten bis im Jahre 2025 die Sesselliftkonzession ausläuft oder in der Zwischenzeit ein Wunder geschieht.

    Die 3 Mio auf 10 Jahre sind ja aufgerechnet nicht mehr als die 300000.- die das Land jetzt zugeschossen hat nur um den Sommerbetrieb sicherzustellen.
    Aber was das Wichtigste an diesem Vorschlag ist, ist aus meiner Sicht das Willenszeichen aus der Region.

    Mir wäre auch ein Investor lieber der soviel Geld reinsteckt wie Peter anführt und die Bürgeralpe mit neuen Ideen und Angeboten betreiben will.

    Man muss bei Investoren nur aufpassen, dass nicht soetwas passiert wie in Mitterbach, wo sich „schlaue“ Investoren übernommen haben, zwar den „Rahm abgeschöpften“ und dann den Betrieb nicht mehr weiterführen (konnten). Dann war die Gemeindealpe ausser Betrieb und für Jahre tot und ist nur mit viel Einsatz der Mitterbacher und dem richtigen Quentchen Glück zu einem Top Sommer/Winterberg ausgebaut worden, weil dort das Land auch Liftanlagen fördert (wie auch immer sich das mit dem Wettbewerbsrecht der EU vereinbaren lässt).

    Da stellt sich dann sogleich auch die Frage ob die Bürgeralpe ein Betrieb im Wettbewerb mit anderen Skibergen ist oder eine Infrastruktureinrichtung. Bis jetzt haben immer alle geglaubt es ist Infrastruktur und das Land zahlt, jetzt ist es aber auf einmal doch ein Skiberg der im Wettbewerb mit anderen Skibergen steht. Unabhängig dessen was es nun ist, bin ich immer der Ansicht er sollte so geführt werden, dass auch eine schwarze Null rauskommt. Bewundere aber Investoren, die ohne Aussicht auf Verzinsung ihres eingesetzten Kapitals trotzdem unterstützen wollen.

    An dem Abend hat mir das Statement von Skischulbesitzer Richard Berger in vielen Punkten gefallen. Sinngemäß: Entscheidungen werden im Mariazellerland sehr oft in kleinem Kreis, im stillen Kämmerlein, abgesprochen und dann der Öffentlichkeit als „Allheilmittel“ präsentiert. Er selber wurde nie gefragt, obwohl er in vielen Skiregionen dieser Erde um Ratschläge gebeten wird.
    Wie heißt es so schön – der Prophet gilt nichts im eigenen Land.

    Es wurde auch an diesem Abend angesprochen und ich bekomme dies auch immer mit bei den Bergwelle Konzerten. Die Beförderungskapazität ist einfach zu gering. Ich denke, dass der Besucherzahlenzenit der Bergwelle mit gut 5000 Besuchern erreicht ist. Wer einmal bei großen Konzerten dabei war und dann ewig lang warten musste, sieht die Seilbahnfahrt nicht mehr als besonderes Erlebnis sondern als Hindernis. Trotz dem besonderen und einzigartigen Ambiente, wird dies viele Besucher von einem weiterem Bergwelle Besuch abhalten oder wir können uns die Wassershow sparen, weil es sehr viele eilig haben ja in einer der ersten Gondeln dabei zu sein. Wer die Wassershow schon einmal gesehen hat ist weg nach dem Konzert. Viele sind schon während der Zugabe am Weg zur Seilbahn, nur damit Sie nicht solange warten müssen. Erlebe dies immer wieder… Aber da greift das Eine ins Andere – wo parken die Besucher, wenn mehr Kapazität möglich wäre.

    Wichtig ist auf jeden Fall, dass die Bürgeralpe als Ausflugs- und Erlebnisberg erhalten bleibt. Aber es gibt einiges zu tun und ohne Göd ka Musi, heißt es immer.

    Der Verein zur Förderung der Bürgeralpe in Notsituationen ist eine gute Idee und kommt ebenfalls aus der Region, was mir sehr wichtig erscheint. Aber sollten sich 300 – 500 Menschen finden (was mir bei einem Beitrag von 50.- Euro schon hochgegriffen scheint) sind das nur 15.000 bis 25.000 Euro. Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein in einer Notsituation.

    Was mir persönlich zu Denken gab, war die Annahme, dass Mariazell weiterhin als „Schneeloch“ seinen Ruf hat und Winter wie 2013/14 die Ausnahme sind. Investitionen um die Beschneiungsanlage auf den heutigen technischen Stand zu bringen, können nämlich keine getätigt werden.

    Aber was ist, wenn es doch eine Klimaveränderung gibt und wir die Auswirkungen bereits zu spüren bekommen. Es fehlte eine echte Zukunftsperspektive für schneearme Winter und einem alternativen, touristischen Angebot dafür. Stimmt schon, es ist leicht Kritik zu äussern und selber noch keinen Vorschlag zu haben, aber wir alle sollten uns auch darüber Gedanken machen mit einem Schigebiet von 870 bis 1270 Höhenmeter.

    Hoffentlich werden wir auch in Zukunft unserem Ruf als „Schneeloch“ gerecht. Aber bitte nur von Anfang Dezember bis Mitte März 😉 Septembergewitter versprechen viel Schnee, dann dürfte es zumindest heuer passen.

    Was ist aber wenn 2 schlechte Winter in Folge kommen. Dann braucht es sehr finanzkräftige Interessentengruppen die sich dies leisten können ohne Landeshilfe. Die lokale Lösung ist dann zu schwach aufgestellt, auch wenn der Vereinshilfsfond zu tragen kommt.

    Thomas hat sicher Recht, dass die Plattform ein gutes Zeichen ist und man die Bürgeralpe mit diesen angesprochenen 50.- unterstützen sollte.

    Wünschen darf man ja ob sie erfüllt werden ist eine andere Sache 😉 Am liebsten wäre mir eine Lösung mit ehrlichen Investoren, welche die Bürgeralpe mit Geld und frischen Ideen beleben. Die immerwährende Angst der unglaublich initiativen und sehr bemühten Entscheidungsträger, wenn wir dies oder jenes aus der Hand geben, haben wir nichts mehr zu sagen, finde ich für eine gesunde, zukunftsträchtige Entwicklung störend. Lokalpatriotismus gut und schön, aber eben darum kommt mir manchmal vor sind wir etwas in der Entwicklung stecken geblieben. Wenn man das Geld nicht hat, muss man sich diesem Kompromiss eben hingeben und ein guter Partner sein der positive Entwicklungen fördert auch wenn die Ideen wo anders angedacht werden und das Geld hoffentlich in die Region Mariazellerland gesteckt wird.

    Zum Glück gibt es Menschen denen das Mariazellerland sehr am Herzen liegt und die viel Geld hier investieren, weil sie wissen, dass das Mariazellerland ein besonders schönes Stück Erde ist. Denen dürfen wir nichts in den Weg legen, sondern den Weg aufbereiten.

    Ich hoffe meine Zeilen werden nicht falsch verstanden. Ich bin, glaube ich, wirklich der Letzte der das Mariazellerland schlecht machen möchte, aber es sind nur 90 % gut und über einen kleinen Teil der 10% darf man sicher auch mal diskutieren.

    In diesem Sinne wünsche ich mir einen langen Fortbestand der Mariazeller Bürgeralpe als Ausflugs- und Erlebnisberg. In welcher Form auch immer (Lokal oder Regional) – mit dem Hinweis, dass mehr Geld mehr Möglichkeiten schafft, was ja nichts Neues ist und bitte auch gleich das Unterstützungsformular in obigem Bericht auszufüllen und an angegebener Stelle abzugeben bzw. zu mailen, denn Hilfe für unsere Bürgeralpe ist auf jeden Fall ein richtiges Zeichen.

    Herzliche Grüße
    Fred

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