Koordination Flüchtlingshilfe in Mariazell

Koordination Flüchtlingshilfe

Liebe Gemeindebürgerinnen und Gemeindebürger,

in den letzten Tagen und Wochen ist bezüglich der Hilfe für ukrainische Flüchtlinge in Österreich eine ungemeine Dynamik entstanden. Auch die Bevölkerung des Mariazeller Landes hat in einer beispiellosen Weise bei einer Vielzahl an Aktionen und Initiativen innerhalb weniger Tage eine grandiose Hilfsbereitschaft gezeigt.

Die Erfahrungen der letzten Tage zeigten gleichzeitig aber auch, dass diese Hilfe in Bahnen gelenkt werden muss, um nicht in ein Chaos zu münden. Überdies gibt es noch immer zahlreiche offene Fragen, weshalb ich für Montag, 21. März im Stadtamt Mariazell eine Besprechung mit Einsatzorganisationen, Verantwortungsträgern, Quartiergebern und ehrenamtlichen Helfern einberufen habe, um alle Beteiligten auf einen einheitlichen Informationsstand zu bringen und die nächsten erforderlichen Schritte und Maßnahmen abzuklären und zu koordinieren.

Zusätzlich wurde ein Online-Forum installiert, dieses soll dem unkomplizierten Informationsaustausch zwischen allen Betroffenen dienen und gleichzeitig zur effizienten Koordination der einzelnen Hilfsmaßnahmen und Unterstützungsaktionen beitragen.

Herzlichen Dank für Ihre Teilnahme und Ihre Mithilfe!



Die Ergebnisse dieser Besprechung werden nachfolgend kompakt zusammengefasst:

Koordinationsstelle:
Die Koordination sämtlicher Maßnahmen und Angelegenheiten hinsichtlich der Hilfe und Unterbringung für Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine erfolgt im Bürgermeisterbüro am Stadtamt Mariazell, Tel.: 03882/2244-0, office@mariazell.gv.at – von hier aus werden auch die Einsatzorganisationen regelmäßig über alle Neuigkeiten und wichtige Details informiert.

Aktueller Stand:
Im Gemeindegebiet von Mariazell werden derzeit (Stand 22. März 2022) rund 110 schutzsuchende Personen (davon 35 Kinder) betreut und versorgt. Diese verteilen sich derzeit auf das Gebäude des ehemaligen Bezirksgerichts, die Pension „zum Heiligen Brunnen“, das ehemalige Gasthaus Egger in Gollrad sowie mehrere private Unterkunftsgeber.

Registrierungsprozedur:
Die ankommenden Flüchtlinge werden in drei Stufen registriert:
1.) Die Grundregistrierung (Feststellung der Personalien, Zählung der Einreise nach Österreich)
2.) Die „Spezial-Registrierung“ (Blue-Card)
3.) Die Registrierung über die Caritas (erforderlich um Geld wechseln zu können und ein Konto zu eröffnen – wichtig auch für den Empfang von Sozialleistungen)

Unterbringung, Quartier:
Sollten Sie über freie Unterkünfte (leere Wohnungen, Häuser, etc.) verfügen und diese für die Unterbringung von Flüchtlingen zur Verfügung stellen wollen, so wenden Sie sich bitte an das Stadtamt Mariazell oder besuchen Sie das Online-Forum unter www.mariazell.gv.at/forum.

Betreuung:
Die Flüchtlinge brauchen aber neben Wohnraum, Kleidung und Verpflegung natürlich auch Betreuung, Anerkennung, Ansprache, Zuneigung und Akzeptanz. Und hier können wir alle unseren Beitrag leisten, um nicht nur den Menschen aus der Ukraine zu helfen, sondern auch für ein sozial verträgliches Miteinander zwischen der Bevölkerung und den Flüchtlingen in unserem Mariazeller Land zu sorgen. Gesucht werden freiwillige ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, die gewissermaßen als „Vertrauenspersonen“ für die Flüchtlinge agieren und diese beispielsweise beim Einkaufen begleiten. Vielen Dank an dieser Stelle an Doris Thym und Sissy Oberrauter, die in Mariazell diesbezüglich bereits tätig sind. Für den Ortsteil Gollrad wird derzeit noch eine Betreuung gesucht. Besuchen Sie auch das Online-Forum unter www.mariazell.gv.at/forum.

Sprachschwierigkeiten:
Die jugendlichen Flüchtlinge behelfen sich mit Werkzeugen wie zb. dem Google-Translator, um Sprachbarrieren zu überwinden und sich hier verständigen zu können. Viele der Flüchtlinge sprechen auch Englisch, trotzdem braucht es natürlich auch Personen, die bei Behördenwegen, Arztbesuchen oder anderen organisatorischen Herausforderungen als Dolmetscher/in fungieren. Auch hier steht Frau Natalia Decleva immer wieder gerne zur Verfügung, sie wird zusätzlich unterstützt von Fr. Christiane Walcher und Frau Miljana Petrovic. Die Kontaktaufnahme erfolgt bei Bedarf bitte über die Stadtgemeinde bzw. das Bürgermeisterbüro unter 03882/2244-0.

Gesundheitsversorgung:
In den nächsten Tagen und Wochen soll gemeinsam mit einem Dolmetsch mittels Fragebogen eine Bestandserhebung des Gesundheitszustandes der Flüchtlinge erfolgen. Das Gesundheitszentrum Mariazell wird anhand der Ergebnisse dann ggf. weitere Schritte und Maßnahmen einleiten und sich auch um Medikamente und Therapien kümmern. Arzneimittel und Medikamente werden bei Bedarf derzeit von der Apotheke, Fr. Dr. Angelika Riffel, als Spende für die Flüchtlinge kostenlos zur Verfügung gestellt.

Einkaufen:
Da die derzeit im Mariazeller Land aufhältigen Flüchtlinge noch nicht alle Registrierungen abgeschlossen haben, verfügen diese meist auch nicht über Bargeld oder andere finanzielle Mittel. Daher wurden für die Übergangsphase Vereinbarungen mit BILLA, SPAR und NKD getroffen, dass die Flüchtlinge (in Begleitung einer heimischen Betreuungsperson) dort vorläufig auch „auf Lieferschein“ einkaufen können. Zusätzlich stellt die Stadtgemeinde den Flüchtlingen Einkaufsgutscheine für Hygienebedarf (BIPA-Gutscheine) zur Verfügung.

Kinderbetreuung, Schule:
Schulpflicht besteht für die Kinder der Flüchtlinge grundsätzlich erst ab dem Zeitpunkt, wenn sich die Eltern für einen dauerhaften Aufenthalt in Österreich entscheiden, frühestens aber mit Beginn des kommenden Schuljahres im September 2022. Derzeit geht es daher vordergründig eher um eine Betreuung der Kinder und damit verbunden eine Entlastung der Eltern.

Ab Montag stehen in der Mittelschule zwei Räume für Flüchtlingskinder bereit. „Richtiges Lernen“ ist derzeit aber eher (auch schon aufgrund der sprachlichen Barriere) nicht geplant. Vielmehr sollen die Kinder mit Turnen, Zeichnen und Basteln beschäftigt und von den oftmals traumatischen Erinnerungen ihrer Flucht abgelenkt werden und gleichzeitig die Grundlagen unserer Sprache erlernen.

Ein großer Dank gebührt an dieser Stelle den Lehrerinnen und Lehrern der Mittelschule, die sich gemeinsam mit zwei Pädagoginnen aus der Ukraine ehrenamtlich und unentgeltlich in Freistunden um diese Kinderbetreuung kümmern.

Sachspenden:
Sachspenden sind oftmals gut gemeint, inzwischen aber teilweise in mehr als ausreichendem Maß vorhanden. Für dringend benötigte Hilfsgüter wurde inzwischen ein Online-Forum eingerichtet. Hier können nach einer kurzen Registrierung benötigte Hilfsgüter oder aber auch Hilfsleistungen angefordert bzw. von Spenderinnen und Spendern sowie ehrenamtlichen Helfern bereitgestellt werden. Auch offene Fragen können hier gestellt und von sachkundigen Personen und zuständigen Stellen kurzfristig und auch außerhalb der Öffnungszeiten des Stadtamts beantwortet werden.

Hier ein großes Danke an Natalia Decleva, die gemeinsam mit ihrem Mann vom ersten Tag an Hilfslieferungen in die Ukraine organisiert hat und sich jetzt in Abstimmung mit der Stadtgemeinde vermehrt auf die Versorgung der Flüchtlinge vor Ort kümmert.

Geldspenden:
Trotz der vielen Sachspenden müssen manche Hilfsgüter aber auch angekauft werden. Um diese notwendigen Anschaffungen finanzieren zu können, wurden für Geldspenden aus der Bevölkerung zwei Treuhandkonten bei der Steiermärkischen Sparkasse bzw. der Raiffeisenbank Mariazellerland eingerichtet. Die Koordination dieser Anschaffungen übernimmt diesbezüglich ebenso das Bürgermeisterbüro.

Raiffeisenbank Mariazellerland
IBAN: AT63 3812 9000 0008 0630
Kontowortlaut:
Stadtgemeinde Mariazell
Ukraine Hilfe Mariazell

Steiermärkische Sparkasse:
IBAN: AT92 2081 5000 4420 9625
Kontowortlaut:
Stadtgemeinde Mariazell
Ukraine Hilfe Mariazell

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Bgm. Walter Schweighofer und Natalia Decleva ©Werner Girrer

Die nächsten Tage und Wochen werden uns noch vor so manche Herausforderung stellen. Doch gemeinsam können wir helfen. Leisten wir als Stadtgemeinde Mariazell einen Beitrag, um bei dieser Kraftanstrengung ein Zeichen der Solidarität zu setzen.

Herzlichst

Ihr Bürgermeister
Walter Schweighofer

Herzlichen Dank an Werner Girrer für die Fotos.


 

 

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